Ich habe es nie so richtig begriffen. Wieso zieht Fußball so viele Leute in seinen Bann? Entertainment okay, aber was natürlich mitspielt ist Nationalstolz. Ganz ehrlich: Ich bin kein Patriot. Ich bin zwar froh, dass ich in einem Land geboren bin wo es den Leuten vergleichsweise verdammt gut geht und nicht kriegstreiberisch ist, aber ich fühle mich am ehesten noch als Europäer. Sonst versuche ich Vorurteilen aus dem Weg zu gehen und offen gegenüber anderen Menschen zu sein.
Fußball ist natürlich ein Sport und es geht darum, in diesem Sinne einen „Kampf“ friedlich auszutragen. Aber trotzdem gibt er den Zuschauern Anlass ihre Vorurteile gegenüber anderen Nationen auszugraben und lässt sie entscheiden, zu welchem Team — aber eigentlich zu welchem Land — sie halten. Ich will nicht sagen, dass es nur darum geht; sicherlich werden die meisten, die sich mit dem Sport beschäftigen auch fair sein und keine schlechten Verlierer sein, wenn ihr Team verloren hat. Aber mir geht es auch um die Leute, die sich nur zu EM-Zeiten mit dem Sport auseinandersetzen, aus Gruppenzwang und wegen dem aggressiven Marketing der UEFA.
Warum kommt soviel Nationalgefühl auf, wenn das eigene Team am Rasen durch die Gegend läuft und versucht eine bessere Leistung abzugeben als der Gegner? Das Team besteht ja nur aus sehr wenigen Personen, die gute Sportler sind und nun mal von einem Team gekauft und somit einem Land zugeordnet sind. Da ist es gar nicht relevant, ob diese Person jetzt überhaupt irgendeine Verbindung zu diesem Land hat. Das Publikum einer Nationalität feuert also gar nicht zwangsweise ihre Landsleute an, und trotzdem heißt es immer „wir haben gewonnen, sie waren einfach unterlegen.“ Umgangssprachlich wirkt es so, als würdem an über die gesamte Bevölkerung eines Landes reden, und es identifiziert sich auch die ganze Bevölkerung mit ihrem Team. Hier im Studentenheim sind auch einige Deutsche unter uns, die natürlich deutlich mehr mitgefiebert haben weil ihr eigenes Team bis im Finale dabei war. Es schien selbstverständlich, dass bei Diskussionen jeder einzelne seine Nationalität repräsentiert…
Meine Perspektive ist völlig anders: Ich halte es für unmöglich, dass ein einzelner Mensch Österreich repräsentieren kann; Ich kann es nicht. Es ist meiner Meinung nach total verzerrt zu sagen es spielt „Deutschland gegen Spanien“, wenn nur 22 Leute tatsächlich aktiv beteiligt sind. Wenn ich eine Werbung der Raiffeisen Bank sehe, wo das österreichische Team durch die Landschaft joggt und sich alle Blicke auf sie richten, finde ich es amüsant wie versucht wird künstlich Stolz und Patriotismus zu erzeugen. Österreich ist ja bekanntlich auf der Weltrangliste mit Platz 92 relativ weit unten. Trotzdem ist man auch hier vom Sport begeistert, zumindest scheint es so. Denn wenn ein 90-Minuten-Spiel langweilig war, muss man sich auch fragen ob sich das wirklich gelohnt hat.
Mir ist es bewusst, dass ich hier total gegen den Strom schwimme. Ich musste aber meine Verwirrung ausdrücken, die während der EM aufgekommen ist. Leute, wacht auf! Es ist doch nur Fußball…

Schließe mich deiner Meinung an.
Nicht einmal ein Staatspräsident kann „eine Nation repräsentieren“. Es ist echt schwachsinnig in dieser Form zu denken. Alle Vorurteile haben irgendwo ihren Ursprung, aber Vorurteile können verdammt falsch sein. Es ist auch irgendwo übertrieben, wenn man sagt „der deutsche Fußball“ ist gut… nur weil das Nationalteam gut in einem Spiel gut gespielt hat, heißt das ja nicht, dass alle Fußballer des Landes gut/schlecht sind?!
Aber mit dem Schlusssatz formulierst du es eh richtig: Es ist doch nur Fußball… und man darf es nicht zu eng sehen. In 2 Monaten erinnert sich niemand mehr an die EM und den „Kampf der Nationen“ ;-)
Vor allem ist es ja so, dass wenn du mehr Menschen in einem Land hast, es dort auch mehr gute Fußballer geben wird… Und Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land der EU. Holland ist da natürlich ne Ausnahme, aber die haben immerhin doppelt so viele Einwohner wie wir. Man findet sicher überall auf der Welt gute Sportler, aber warum muss es immer Nation gegen Nation sein?
Oh mann,Stefan,du hast ausgesprochen,was wir alle dachten;)
Fantastisch,du hast echt nix ausgelassen.Den komischen scheinheiligen und unbegründeteten Patriotismus,die Werbung mit ihren zu belächelnden Tricks,die „Nationalmannschaft“ mit ausländischen Spielern,…
Ach ja,nur noch eins kann ich anfügen:Warum zum Geier muss man sich außerhalb der Faschingszeit ne Flagge aufs Gesicht(und nebenbei bemerkt,auf ziemlich viele Körperteile im Allgemeinen)malen,nen doofen Hut aufsetzten und-egal wer grad spielt-24 Stunden lang „immer wieder Österreich“ brüllen???
Nun, ganz ehrlich gesagt, das „Mysterium Fußball“ ist nicht das, was mich an der EM schockiert hat — Zum einen hat die Aussicht auf DREI Spiele internationalen Ranges in Klagenfurt gereicht um Bauwerke im Millionenbereich zu beauftragen, um die Stadt abzusperren obwohl sie nahezu komplett leer war, außer an Spieltagen, den öffentlichen Verkehr umzustellen — Millionen Euro an Ausgaben mit der Begründung: Fußball.
Das ist noch nichts beängstigendes, zwar ist unbestreitbar dass Klagenfurt wahrscheinlich viel mehr Aufmerksamkeit, positives Feedback und nachhaltiges Image gesichert hätte wenn das Geld in zB ein Kulturprogramm und eine ordentliche Sanierung der Verkehrswege geflossen wäre, das, was ich wirklich bedenklich finde ist folgendes:
6 Monate lang wird die Bevölkerung in Angst versetzt, irrationale Gerüchte über tausende Hooligans die die Stadt ausseinander nehmen sollen werden über alle Medienkanäle geschürt, und plötzlich heisst fast die gesamte Bevölkerung gut dass tausende Polizisten die Stadt rund um die Uhr bewachen und an jedem Eck stehen.
Sprich: Fußball, so unscheinbar und mmn unverständlich, schafft es nicht nur nie da gewesene Menschenmassen in eine Kleinstadt zu locken, der Vorwand von anscheinend völlig üblicher Gewalt beim Fußball reicht, ähnlich wie der globale Terrorismus-Pretext, eine 90 000 Einwohner-Stadt in totale Polizeikontrolle zu geben. FInd ich ehrlich gesagt beängstigend, wenn man bedenkt, dass sich da lediglich 22 Erwachsene um einen Ball wettstreiten.
Stimmt: Es war sehr viel Wirbel um eine eigentlich kurze Zeit & wenig Spiele die wirklich in Klagenfurt waren… Ich hab die Polizisten gesehen, wie sie zu Sechst ihre Runde am Bahnhof gedreht haben, und die ganzen „Dekorationen“ sowie extra Schilder zum Stadion. Hat sich das wirklich gelohnt?
Natürlich hat man am meisten vom Straßenbau mitgekriegt, was aber glaub ich einer der wenigen langfristigen Vorteile für die Stadt ist. Hat aber ewig gedauert, bis alles fertig war!
Jep,das stimmt mit den Bullen.Ich war mal in der Stadt beim Heiligengeißplatz,da war noch nichtmal was los oder so.Ich hab –jetz ohne Übertreibung-alle 20 Meter ne Truppe von durchschnittlich 6 Bullen gesehen.Ich muss sagen,mir hat das eher angst gmacht als irgendwelchen Hooligans oder polnischen Fans mit komischen Hüten;)