Die (Neu-)Wahl 08 rückt näher und auch dieses Mal probiere ich mich ausnahmsweise intensiv mit Innenpolitik zu beschäftigen. In der Zeitung und im ORF gibt es eine Menge zu erfahren über die vielen Parteien, die heuer antreten. Aber besonders toll finde ich, dass es die Wahlkonfrontationen vom ORF on demand zum Anschauen gibt und der Blog Neuwal hautnah dabei ist und immer die neuesten Umfragen hat. Besonders erschreckend finde ich den großen Vorsprung der FPÖ zu den Grünen, letztes Jahr hat das noch anders ausgeschaut!
Interessant finde ich wie die Politik versucht ins Web 2.0 Zeitalter zu kommen, aber nicht ganz den Sinn dieser neuen Möglichkeiten zu verstehen scheint. Es gibt zB. viele Websites mit YouTube-Videos von überzeugten Wählern und Anhängern, die ihren Spitzenkandidaten mit Stichworten loben: Einfach nur peinlich. Zeichenschatz sind ein paar Dinge auf der HC Strache-Website aufgefallen…
Aber warum sind so viele Österreicher Nichtwähler, oder warum wird immer nur genörgelt? Die Regierung sollte doch nicht dazu da sein, immer nur beschimpft zu werden und ein Sündenbock für alles sein! Im Idealfall müsste sie für die Menschen da sein und politisch gesehen auch nach der Wahl die meiste Zustimmung finden. Als Wahlberechtigter muss man doch die Verantwortung übernehmen, seiner Überzeugung nach zu stimmen. Wenn man mit keinem Parteiprogramm zufrieden ist sollte man eigentlich selber kandidieren. Ich denke es ist ein viel deutlicheres Signal an die großen Parteien wenn viele Kleinparteien kandidieren als wenn in der Statistik ein höherer Prozentsatz an ungültigen Stimmen zu finden ist. Sonst wird sich ja nie etwas ändern, und die Politiker erfahren nie dass ihre Themen uninteressant sind oder es andere Dinge gibt, die der Bevölkerung wichtig sind! Aber ich bin halt Idealist.
In den USA ist der Wahlkampf schon mehrere Monate im Gange, erst jetzt wurden die Kandidaten offiziell nominiert und es wird immer wieder von einem knappen Umfrageergebnis gesprochen. Ich bin ja fast schon ein Fan vom Obama, er ist ein echtes Signal dass es nicht immer erzkonservativ sein muss. Bitte, es darf nicht McCain sein der gewinnt! Amerikaner, lasst euch nicht wieder von der Angst (diesmal vor Russland) lenken! Das wäre dann wieder wie damals, als man als Europäer bei der Wiederwahl Bushs 2004 nur mehr den Kopf schütteln konnte.

Die TV-Duelle im Allgemeinen finde ich sehr gut. Ich halte es wirklich ein gutes Konzept und eine gute Gelegenheit für Bürger ihren/andere Kandidaten nach Gesichtspunkten zu bewerten. „Blind“ zu wählen halte ich für idiotisch und die TV-Duelle halte ich für eine Gelegenheit um zumindest einen ersten Eindruck zu bekommen, selbst wenn man sich nicht so dafür interessiert (was ich bei niemanden hoffe).
@web2.0: Ich weiß jetzt nicht, ob ich schon total manipuliert bin, weil ich den Großteil des Tages nur Webseiten vor mir habe, aber mir kommt es so vor, dass vor allem das Design immer mehr in dieser „Web2.0-Manier“ verfasst wird. „Es reicht“ wird in einer Sprechblase dargestellt, die oft für Kommentare verwendet wird. Balken und horizontale Linie werden als Farbspielerei genommen. Gerade so, dass sie nicht die obere Hälfte der Schrift in einer helleren Schriftfarbe als die untere machen oder der Parteiname auf „r“ endet. Sind die „normalen“ Designer von den Webdesignern verdrängt worden?
@Nichtwähler: Vor allem finde ich die Begründung schlimm „ich finde alle Parteien schei*e und deshalb gehe ich nicht wählen“. Wenn man nicht wählt, ist das laut Definition „dir ist es egal“, dabei ist es dir ja nicht egal und deshalb müsstest du ungültig wählen gehen.
Das Grundproblem an der Aussage „sollte man eigentlich selber kandidieren“ ist, dass Politiker ein Beruf ist. Hat man den gewählt, muss man regelrecht sein ganzes Leben in diesen Beruf investieren, damit man all seine Ideologien umgesetzt bekommt. Und ich würde behaupten, dass die meisten schon mit 16– oder 17-Jährige Zukunftspläne haben (ist eine kritisch zu betrachtende Aussage), wo sie bisher gar nicht wählen konnten und sich deshalb auch nicht so für Politik interessiert haben. Auf jeden Fall kritisiere auch ich unser System, jedoch hätte ich keine Chance als Politiker, weil ich gewisse Erfordernisse nicht erfülle. Ein Politiker muss gut reden können, sollte Ahnung vom Rechtswesen haben, die Politik und die Vergangenheit auswendig kennen, am besten noch gut aussehen und natürlich bereit sein über den aktiven Zeitraum starke Nerven zu behalten sowie viel Energie in seine Aktivitäten zu investieren. Sobald man einmal zu schnell auf der Bundesstraße fährt, landet man eh gleich als schlechtes Vorbild in den Medien.
Es sind Erfordernisse die niemand so ohne weiteres erfüllen kann und deshalb ist es durchaus beachtenswert, wer dennoch das Zeug dazu hat. Auch wenn ich Grundideen zu einem neuen (hoffentlich besseren) System habe, dann muss dieses Konzept einmal jahrelang überarbeitet werden, weil schließlich kann das, was wir in unserer gesamten Existenz erarbeitet haben nicht ohne weiteres „falsch“ oder „idiotisch“ sein. Hin oder her: Politiker zu sein erfordert Zeit und Energie und die kann nicht jeder aufwenden. Und wer das System kritisiert, aber nicht revolutionieren kann, der soll sich dem System unterwerfen und offen zu seiner Meinung stehen und mitteilen
@usa: … wobei ich in Differenz zu den USA unser System zehnmal besser halte. Auch der Amerikaner, der uns in der Schule besucht hat, meinte, dass es bei der Wahl so viel Korruption gibt und kaum ein Amerikaner dabei an Gerechtigkeit glaubt. Das ist leider traurig. Aber ich finde es auch interessant wie ganze _Europa_ mitfiebert, wie _USA_ wählen wird und wie Europa dabei reagiert, dabei ist es ja nicht _ihre_ Politik.
Was für ein „Kommentar“… aber interessante Punkte, die du ansprichst