Teamfähig

Habe eigent­lich gerade ver­sucht ein­zu­schla­fen, aber da ich jetzt einen ziem­lich kla­ren Kopf über ein Thema, das mich zur Zeit beschäf­tigt habe, schreibe ich jetzt die­sen Eintrag:

Im ver­gan­ge­nen Semes­ter habe ich so eini­ges über Team­work gelernt. Zum Bei­spiel, dass es nichts Selbst­ver­ständ­li­ches ist. Ich beneide jeden, für den die Arbeit im Team von Anfang an ohne Pro­bleme ver­lau­fen ist und ganz natür­lich funk­tio­niert hat. Aber ich wage zu ver­mu­ten, dass es für jeden ein indi­vi­du­el­ler Lern­pro­zess ist, ein mehr oder weni­ger har­ter und lan­ger Weg den es zu beschrei­ten gilt, bis man in der Berufs­welt behaup­ten kann, man sei teamfähig.

Mei­ner Mei­nung nach liegt der Schlüs­sel in der Kom­mu­ni­ka­tion. Wie viel oder wie wenig man mit sei­nen Kol­le­gen abspricht ent­schei­det dar­über, ob man als guter Arbei­ter aber schlech­ter Team­player oder inkom­pe­ten­ter Nach­äf­fer aber guter Kom­mu­ni­ka­tor ange­se­hen wird. Hier muss man eine aus­ge­wo­gene Balance fin­den um gut im Team funk­tio­nie­ren zu kön­nen. Es ist nicht leicht, denn oft sind Initia­ti­ven gefragt, durch­dachte Kon­zepte die per­fekt argu­men­tiert wer­den kön­nen. Ist man zu diplo­ma­tisch bei Ent­schei­dun­gen, ver­gisst man leicht seine eigene Mei­nung einzubringen.

Im schlimms­ten Fall wirkt es dann so, als ob einem das betref­fende Pro­jekt nicht wich­tig ist. Kämpft man nicht für seine eige­nen Vor­schläge und gibt schnell nach, erweckt es den Anschein als hätte man ohne­hin wenig Inter­esse und sich nicht wirk­lich mit dem Thema aus­ein­an­der gesetzt, weil es einem die Zeit nicht wert war. Oder man ver­zet­telt sich so sehr beim Arbei­ten, dass man auf die ande­ren Team­mit­glie­der ver­gisst, die einem viel­leicht auf den rich­ti­gen Weg gewie­sen hät­ten. Doch dann hat man schon wert­volle Zeit mit einem Ansatz ver­geu­det, der viel­leicht nicht gut durch­dacht ist oder sich nicht mit dem Ziel des Pro­jek­tes ver­ei­nen lässt.

Harte Arbeit, das heißt viele kon­zen­trierte Arbeits­stun­den, die auch qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv gute Ergeb­nisse lie­fern, wer­den auf jeden Fall belohnt. Die Kol­le­gen freuen sich, wenn etwas wei­ter geht und sind sel­ber eben­falls moti­viert etwas wei­ter zu brin­gen. Viel­leicht hat man sogar ein schwer­wie­gen­des Pro­blem gelöst, das ein ande­res Team­mit­glied zuvor frus­triert hatte. Schafft man es dann auch, in der rich­ti­gen Art und Weise im Team Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und die Arbeits­pro­zesse zu koor­di­nie­ren, hat man gute Chan­cen auf ein pro­duk­ti­ves Arbeits­klima und im End­ef­fekt ein tol­les Projekt!

Ein ganz ande­res Kali­ber sind Team­chefs. Ich habe mich bis­her immer davor gescheut, ein Team zu lei­ten, auch in der Schul­zeit, doch bei unse­rem Film­pro­jekt im 4. Semes­ter war ich der ein­zige, der dazu bereit war Regie zu füh­ren. Schnell habe ich gemerkt, dass diese Posi­tion ganz anders ist, als ein „gewöhn­li­ches“ Team­mit­glied zu sein. Obwohl man die meiste Zeit nicht mit den Arbeits­pro­zes­sen an sich — beim Film wäre das Kamera, Ton, Licht usw. — beschäf­tigt ist, ist man schnell voll aus­ge­las­tet durch andere Tätigkeiten.

Man muss vor allem den Über­blick bewah­ren. Das Dreh­buch ken­nen, den Dreh­plan intus haben. Auf alle Fra­gen eine Ant­wort wis­sen, ohne lange Nach­den­ken zu müs­sen, aber trotz­dem ratio­nal blei­ben. Die Moti­va­tion im Team auf­recht hal­ten, oder zumin­dest nicht in den Kel­ler sau­ßen las­sen. Das Momen­tum nicht ver­lie­ren, die Maschine in Betrieb hal­ten. Stän­dig über­all nach­se­hen, ob es ein Pro­blem geht. Pro­bleme lösen, Aus­rüs­tung besor­gen, abwä­gen wel­che Leute  wann wirk­lich gebraucht werden.

Vor allem am Anfang kön­nen all diese Tätig­kei­ten über­for­dern. Selbst wenn man Prio­ri­tä­ten setzt — was unbe­dingt nötig ist — über­sieht man leicht offen­sicht­li­che Auf­ga­ben: Bei­spiels­weise den Schau­spie­lern Anwei­sun­gen geben oder das ste­reo­ty­pi­sche „Cut!“ (in der deutsch­spra­chi­gen Film­pro­duk­tion übri­gens das respekt­vol­lere „Danke!“). Das merkt man lei­der erst, wenn bereits alles vor­bei ist. Außer natür­lich, wenn diese Ver­säum­nisse zu grö­ße­ren Pro­blem füh­ren, die dann bereits wäh­rend der Arbeit auf­tre­ten. Aber so lernt man eben für die Zukunft.

Ein wei­te­rer gro­ßer Teil beim Chef-sein sind die Ent­schei­dun­gen, mit denen man stän­dig kon­fron­tiert wird. Die kom­men nicht sel­ten voll­kom­men unvor­her­seh­bar oder wer­den zu einer Wahl des gerin­ge­ren Übels. Dann geht es fast schon nicht mehr darum, wie ent­schie­den wird, son­dern wie schnell. Auf kei­nen Fall soll unnö­tig Zeit ver­geu­det wer­den, sich jemand lang­wei­len oder sogar die gesamte Pro­duk­tion stell ste­hen. Denn das könnte das gesamte Pro­jekt ernst­haft gefährden.

Klar, fal­sche Ent­schei­dun­gen fal­len wie­der auf einen zurück und wir­ken sich nega­tiv auf das End­pro­dukt aus. Aber gerade nach die­sem Film­pro­jekt bin ich der Mei­nung, dass die meis­ten Ent­schei­dun­gen bereits in der Pla­nungs­phase getrof­fen wer­den müs­sen, damit spä­ter alles glatt geht. Am Dreh­tag selbst geht es dann nur mehr darum, mit den Umstän­den fer­tig zu wer­den und das best­mög­li­che aus der Situa­tion zu machen.

Soweit meine bis­he­ri­gen Erfah­run­gen. Obwohl ich sicher einige Feh­ler sowohl als Team­mit­glied als auch als Team­chef gemacht habe, hätte es leicht schlim­mer kom­men kön­nen. Als Teamwork-N00bie habe ich mich dann doch gar nicht so schlecht geschla­gen. Es liegt zwar noch ein wei­ter Weg vor mir, aber ich denke ein paar grund­le­gende Erkennt­nisse habe ich bereits gewon­nen und dar­auf kann man ja auf­bauen. Viel­leicht hatte ich sogar mehr davon, als wenn alles von Anfang an funk­tio­niert hätte.

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